Filmjuwel unter Verschluss
Ein Rettungsaufruf
Das anarchische Filmjuwel 'Die Nacht des Schicksals' wurde schon seit sehr langer Zeit der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich gemacht. Die Gründe dafür sind trotz verschiedener Recherchebemühungen bis heute unklar.
Der herausragend trashig-anarchische Film entstand zwischen 1978 und 1981 unter der Regie von Helmer von Lützelburg, der wenige Jahre später mit dem wesentlich mehr auf den Mainstream-Geschmack ausgerichteten Titel 'Im Himmel ist die Hölle los' bundesweit Bekanntheit erlangte.
'Die Nacht des Schicksals' erhielt völlig zu Recht das Filmband in Silber des Deutschen Filmpreises ('Lola') sowie den Max Ophüls Nachwuchspreis 1982. Er wurde ganz wesentlich getragen von hervorragenden Schauspielern, wie Billie Zöckler und Ludwig Boettger, und ganz entscheidend von der eigens für den Film komponierten Musik von 'Ton Steine Scherben' und 'Rio Reiser', sowie der souveränen Regie des damals noch sehr jungen Helmer von Lützelburg. Der Film hätte ohne Untertreibung das Zeug zu einer deutschen Version der 'Rocky Horror Picture Show', wenn er nicht aus unerfindlichen Gründen seit Jahren unter Verschluss gehalten würde.
Eine vage Vermutung könnte sein, dass die anhaltende Nichtveröffentlichung des Films mit seiner Thematisierung von Inzest zusammenhängt. In der heutigen Zeit sollte ein solches Thema jedoch nicht mehr tabuisiert werden, sondern offen und sensibel thematisiert, um gesellschaftliche Diskussionen voranzutreiben.
Die den Film seinerzeit mitproduziert habende Hochschule für Fernsehen und Film München gibt dem Vernehmen nach freimütig zu, dass ihr das Werk noch nicht einmal digital vorliegt. An notwendige Restaurierungen oder gar AI-Remastering ist unter diesen Umständen ebenfalls nicht zu denken. Dies sollte sich schnell ändern, ehe der Zahn der Zeit technisch nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Es besteht die Gefahr, dass der Film mehr und mehr 'Grünstich' im Bild ansetzt und ein Stück Film- und Musikgeschichte unwiederbringlich verloren geht.
Es wäre sehr zu wünschen, dass der notwendige moralische Druck auf die Verantwortlichen aufgebaut werden kann, damit dieser filmische Schatz endlich restauriert, digitalisiert und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht wird.